Radfahrtraining inklusive Verkehrsschulung für Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund

Im Übergangswohnheim in Brück wohnen neben zahlreichen männlichen Flüchtlingen verhältnismäßig viele Familien. Das Objekt liegt außerhalb des Ortes; es sind etwa 3 km zum Bahnhof und etwa 4 km zur Ortsmitte (Sparkasse, Kinderarzt). Während die Männer ziemlich schnell das Fahrrad als Verkehrsmittel akzeptiert und das Fahren rasch gelernt haben, stellt sich die Situation bei vielen Frauen schwieriger dar. Sie können in der Regel nicht oder nur sehr schlecht fahren und finden im Heim auch schwer Gelegenheit, es zu üben. Dazu kommt oft, dass sie sich wegen der vielen Männer unterschiedlicher Nationalitäten vor Ort genieren.

Frauen mit kleinen bzw. vielen Kindern können im Fahrrad oft noch keine Alternative für sich erkennen. Sie laufen im Sommer wie im Winter mit oder ohne Kinderwagen die Kilometer zum Ort und zurück oder bleiben möglichst gleich im Heim.

Hier wollten wir ansetzen. Silke (Sappa) hat in der Zeit vom 30.06.-31.12. 2017 einen Fahrradworkshop durchgeführt. Sie ist selber leidenschaftliche Fahrradfahrerin und hat bereits im letzten Jahr als Ehrenamtliche viel Zeit bei „Frauentreffen“ mit den Bewohnerinnen des Heimes verbracht. Sie kannte die Situation vor Ort also bestens.

Es fanden insgesamt 24 Trainingstermine (einmal wöchentlich für 3 Stunden) statt. Dabei waren Frauen, die ihre erste Berührung mit dem Fahrrad hatten und Frauen, die aufgrund mangelnder Erfahrung sehr unsicher mit dem Rad waren.

Zuerst wurde auf den angeschafften Übungsrollern Gleichgewichtstraining absolviert. Erst dann ging es auf die Fahrräder. Besonders viel geübt wurde das Auf- und Absteigen, später das einarmige Fahren (Handzeichen).

Außerhalb des Heimes wurde ein Trainingsparcour zum Üben aufgebaut. Zwei Frauen waren auch daran interessiert, das Fahren mit einem Kinderanhänger zu üben. Schnell war dieser in der Nachbarschaft ausgeborgt und der Wunsch konnte ebenfalls erfüllt werden. An vier Terminen gab es im Heim theoretischen Unterricht. Dafür hatte Silke u.a. Schulungsmaterial vom ADFC Potsdam besorgt.

Ende August fand der erste Ausflug statt- auf dem Europaradweg R1 ging es bis ins Nachbardorf Trebitz und nach einem verdienten Café wieder zurück. Die 7 Teilnehmerinnen waren mächtig stolz, alle hatten viel Spaß und durch spontane Kontakte mit Radtouristinnen auf dem R1 erlebten die Frauen, was mit dem Fahrrad alles möglich ist. Mitte September ging es nochmal zu einer Tour über Feldwege zum „Linther Busch“.

Sowohl die Trainingsstunden als auch die Verkehrsschulungen wurden dankbar angenommen. Einzig die beiden Werkstattangebote in der Fahrradwerkstatt waren nicht gut besucht.

Im Ergebnis können einige Teilnehmerinnen sich nun sicher auf dem Rad fortbewegen und freuen sich über die bessere Mobilität und die damit einhergehenden Erleichterungen im Alltag.

Wir bedanken uns bei Wolfgang Anspach vom AWO Ortsverein Brück e.V., über dessen Tisch dieses Projekt lief. Ferner bei Monika von der Lippe, Landesgleichstellungsbeauftragte beim Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie; von dort wurde das Projekt finanziert.