Integrationsbeauftragte: „Wir haben keine Flüchtlings-, sondern eine Unterbringungskrise“

Künftig regelmäßige Treffen zwischen „Brück hilft“ und Verantwortlichen des Asylbewerberheims im Gewerbegebiet

Treffen

Gemeinsame Beratung

Brück/bh/rma. Ungeachtet der fortgesetzten Schließung europäischer Grenzen, geht der Landkreis Potsdam-Mittelmark nach dem spürbaren Rückgang im Januar kurz- und mittelfristig wieder von steigenden Flüchtlingszahlen aus. Das betonte die Integrationsbeauftragte des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Theresa Arens, auf einem informellen Treffen kürzlich im Brücker Übergangswohnheim im Gewerbegebiet. Man habe im Landkreis Potsdam-Mittelmark auch keine Flüchtlings-, sondern vielmehr eine Unterbringungskrise. „Wir wollen solche regelmäßigen Erfahrungsaustausche zwischen den Verantwortlichen hier und den Arbeitsgruppen von „Brück hilft“ zu einer schönen Tradition werden lassen.“, ergänzte Heimkoordinatorin Rose Dittfurth, denn: nicht immer sage Herz und Bauch, was der Kopf unbedingt möchte. Das sei das Problem, wenn man Asylbewerbern helfen müsse, von denen man weiß, dass sie eventuell keinerlei Chance auf Anerkennung als Flüchtling in Deutschland haben.

Von den Flüchtlingen im Land Brandenburg insgesamt nimmt der Landkreis Potsdam-Mittelmark 8,4% auf. Innerhalb eines Jahres stieg deren Zahl von 600 auf 2.800: „Das hat uns im November/Dezember richtig in eine Bredouille gebracht.“ Entsprechend der Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl ist das Land Brandenburg insgesamt allerdings nur zur Aufnahme von 3% aller nach Deutschland kommenden Asylbewerber verpflichtet. Nach der vorübergehenden Abflachung der Zahlen sind aktuell im Landkreis Potsdam-Mittelmark (205.000 Einwohner) gerade wieder 80 Neuaufnahmen erfolgt, die auf die 17 Heime verteilt wurden. Neue seien gerade im Entstehen, so bis April ein ehemaliger Baumarkt in Bergholz-Rehbrücke mit einer Kapazität bis zu 300 Schutzsuchenden. Auch ein früheres Hotel in Michendorf könne künftig 250 Plätze bereitstellen, so Arens vor den Vertretern der Arbeitsgruppen von „Brück hilft“ sowie des Integrationsbeirates.

„Langsam kommen wir aus dem Krisenmodus raus.“

74% der Asylbewerber sind männlich. Das liegt leicht über dem Bundesdurchschnitt. 70% sind unter 34 Jahre alt. Laut der Integrationsbeauftragten sind derzeit um die 70 unbegleitete Minderjährige im Landkreis registriert, die in gesonderten Heimen unter der Regie der Jugendämter betreut werden, so unter anderem in einem ganz neuen in Caputh sowie in Lehnin. Einige wenige befinden sich aber auch in der Obhut von Pflegefamilien. Um den enorm gestiegenen Anforderungen an die Verwaltung besser gerecht werden zu können, seien im Landkreis seit September letzten Jahres 30 neue Stellen geschaffen worden – weitere sollen folgen: „Damit kommen wir langsam aus dem Krisenmodus raus.“

„Es ist erfreulich, dass wir uns mittlerweile vor Initiativen kaum retten können, aber…“

Dittfurt

Rose Dittfurth

Das Treffen im Asylbewerberheim offenbarte allerdings auch handfeste logistische Probleme, so Arens und Dittfurth übereinstimmend. So sei es zwar erfreulich, dass man sich mittlerweile vor interkulturellen Initiativen im Landkreis kaum retten könne. Allerdings sei es für die Arbeitsabläufe in den Heimen und der Verwaltung problematisch, wenn die Strukturen nicht klar abgestimmt sind und sich faktisch „jeder um alles kümmert“. Da gebe es kurzfristigen Handlungsbedarf, um vielfache Überschneidungen künftig auszuschließen. Explizit wurde in diesem Zusammenhang die „AG Beschäftigung“ genannt. Bei dem hochsensiblen Thema und der fließenden Grenze zwischen regulärer und Schwarzarbeit bewege man sich auf einem sehr schmalen Grad, der ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen zwischen den Sozialarbeitern und den Ehrenamtlichen zwingend voraussetzt. Deswegen sei gerade mit den Vertretern dieser AG ein intensiveres Zusammenarbeiten und gegenseitiges Kennenlernen unbedingt notwendig, so Rose Dittfurth. In diesem Kontext regte sie ein mehrsprachiges Forum an, auf dem die Grenzen legaler Beschäftigung aufgezeigt werden. Daran würden sich die Sozialarbeiter aus dem Brücker Asylbewerberheimen im Sinne einer konzertierten Aktion gern beteiligen. Damit ließe sich der derzeitigen Situation entgegentreten, „dass hier jeder irgendwo und vielleicht sogar in bester Absicht an (s-)einem Flüchtling rumbastelt während niemand von dem Anderen weiß“. So sei die von „Brück hilft“ angeschobene „Nachbarschaftshilfe“ zwar gut gemeint, aber eher problematisch, von der aus rechtlichen Gründen aus Sicht des Landkreises eher abzuraten wäre.

Kein Geld für Um- und Ausbau des erhofften Brücker Begegnungszentrums

Arens

Theresa Arens

Keine Hoffnung machte die Integrationsbeauftragte hinsichtlich der neuen Förderrichtlinie des Landkreises, wonach die Chancen auf eine (Teil-) Finanzierung der dringend benötigten Begegnungsstätte in Brück keineswegs steigen würden, Arens: „Wir können das Umbau-Projekt damit leider nicht fördern, obwohl es schön wäre. Die insgesamt 30.000 Euro sind ausschließlich für Unterrichtsmaterialien für die Sprachkurse, Fahrkostenzuschüsse oder Bastelutensilien gedacht.“

Vor dem Hintergrund der Kapazitätsgrenzen zur Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger müssten weitere Heime im Landkreis geschaffen werden. Der Standort Brück sei dafür aber eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht ganz auszuschließen, unterstrich Theresa Arens. Man denke da schon mehr in Richtung Caputh, Werder oder Lehnin. Rose Dittfurth empfahl den ehreamtlichen Paten bei den Asylbewerbern keine falschen Hoffnungen zu wecken. Bereits die Nationalität gäbe hinreichend Aufschluss darüber, ob ein Flüchtling eine langfristige Perspektive habe, dauerhaft in Deutschland bleiben zu können. Wer diese von vornherein nicht habe, könne unter Ausschöpfung aller juristischen Möglichkeiten, keinesfalls länger als 4 Jahre in Deutschland bleiben. Bei Nordafrikanern oder anderen Ausländern, die nicht aus Kriegsgebieten geflüchtet seien, gehe es also von vornherein nur um einen befristeten Aufenthalt in Deutschland – mit dem absehbaren Ziel der Rückführung in das jeweilige Heimatland.