Fläming-Kaserne: Flüchtlinge statt Soldaten

Am Dienstag (1.12.) übergab der Kommandant der Fläming-Kaserne, Major Bastian Schad, in Anwesenheit von Vertretern der Verwaltung, der Presse und unserer Flüchtlingsinitiative „Brück hilft“ den Schlüssel für zwei Unterkunftsgebäude und eine Mehrzweckhalle an den Vize-Landrat, Christian Stein. Ab Ende dieser Woche, spätestens Anfang kommender Woche, so Stein, können hier Flüchtlinge wohnen. Zuvor müssen jedoch noch Fragen rund um den Wachschutz geklärt werden.

Damit wird es jetzt möglich, 179 Flüchtlinge mehr in Brück unterzubringen. Insgesamt rechnet der Landkreis mit bis zu 3.000 Asylbewerbern, die bis zum Jahresende versorgt werden müssen. Bis jetzt hat der Landkreis Potsdam-Mittelmark 1.850 Menschen aufgenommen.

Übergabe von Teilen der Fläming-Kaserne: Während der Pressekonferenz
Während der Pressekonferenz

Für die Stadt Brück stellt das eine große Belastung dar. Mit den bereits 380 ansässigen Asylbewerbern im Gregor-von-Brück-Ring wird die Stadt dann 550 Menschen aufgenommen haben. Ein Bevölkerungswachstum von rund 15 Prozent im letzten halben Jahr, wie Amtsdirektor Christian Großmann mitteilte.

Die Unterkünfte in der bisherigen Kaserne sind armeetypisch schlicht, aber zweckentsprechend. Betten, Tisch und Stühle, einfache Schränke. Bis zu acht Personen müssen sich ein Zimmer teilen. Vorrangig sollen allein reisende Männer untergebracht werden, wo bis vor kurzem Uniformen das Bild bestimmten. Anders als im bisherigen Asylbewerberheim ist keine Selbstversorgung möglich. Stattdessen werde ein Caterer engagiert, der Erfahrungen mit Ernährungsgewohnheiten in den Herkunftsländern hat. Der Weg in die Stadt Brück wird als lang eingeschätzt. Allerdings ist die jetzige neue Variante bis auf weiteres auch alternativlos.

Christian Stein bei der Übergabe von Teilen der Fläming-Kaserne
Christian Stein bei der Übergabe von Teilen der Fläming-Kaserne

Insgesamt wurden mehr als die ursprünglich geplanten 40.000 Euro an Investitionskosten benötigt. Für den Landkreis ist der Deal mit der Bundeswehr insgesamt jedoch ein Glücksfall. So bekommt er komplett möblierte Zimmer inklusive Bettwäsche. Die Miete entfällt, lediglich für die Betriebskosten muss eine Pauschale entrichtet werden. Die Nutzungszeit ist bis 2017 vereinbart.

„Im Moment kommen wir mit den vorhandenen Mitteln aus“, betonte Stein für den Landkreis. „Es mussten auch noch keine Reserven angegriffen werden.“ Für das nächste Jahr blicke man jedoch in eine Glaskugel. Niemand wisse, was kommt. Für dieses Jahr hatte man mit „nur“ 850 Flüchtlingen gerechnet. Voraussichtlich wird der Landkreis 2016 zu außer- und überplanmäßigen Ausgaben greifen müssen.

Übergabe von Teilen der Fläming-Kaserne: Übernommen vom Landkreis PotsdamMittelmark
Übernommen vom Landkreis Potsdam-Mittelmark

Die Bundeswehr hatte sich nach einem Amtshilfeersuchen des Landkreises dazu entschlossen, auf 40 Prozent ihrer Unterkunftskapazitäten zu verzichten. Bemerkenswert auch: Dabei handelt es sich um jene mit einem deutlich höheren Standard. Im Umkehrschluss sind die Soldaten in Brück jetzt nicht mehr ganz so gut untergebracht, wie die Neuankömmlinge aus aller Welt. Der Übungsbetrieb auf dem Schießplatz soll jedoch wie bisher weitergehen. Bis auf eine seien keine Schießbahnen betroffen.

Übergabe von Teilen der Fläming-Kaserne: Mehrzweckgebäude mit Seydlitz-Saal
Mehrzweckgebäude mit Seydlitz-Saal

Auf eventuelle Probleme durch den Lärm für möglicherweise traumatisierte Menschen will der Landkreis, laut Stein, sensibel reagieren, notfalls auch mit einer Verlegung. Auf jeden Fall wird es – wie üblich – eine soziale Betreuung geben. Laut dem Sprecher der Bundeswehr in Brandenburg werden jedoch keine großen Probleme erwartet: „Das ist eine sehr deutsche Sicht.“ Die Flüchtlinge seien oft froh, die Strapazen hinter sich zu haben, wie Erfahrungen aus Doberlug-Kirchhain zeigten, wo sich der Schießplatz nur einen Kilometer von einer Flüchtlingsunterkunft entfernt befinde.

Insgesamt zeigt dieses Beispiel, dass in der Not vieles geht, was vorher undenkbar schien. Wenn alle wollen, dann ist unmöglich Geglaubtes plötzlich doch zu schaffen.

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