Abschiebung aufgeschoben

Gruppenfoto
Gruppenfoto

Die Familien Schariffi und Alizada sind auf einem guten Wege, sich zu integrieren. Die freundlichen Eltern verstehen und sprechen schon ein wenig deutsch, die älteren Kinder sind in der Schule und machen mit im Sportverein. Auf die Mütter ist stets Verlass, wenn für Veranstaltungen Kuchen gebacken werden soll und auch die Kinder nehmen von Anfang an rege an den Angeboten von „Brück hilft“ teil. Doch Afghanistan gilt der deutschen Regierung als sicheres Land, auch wenn sie selbst dort lieber hinter schützenden Mauern bleiben. Deshalb sollen die Familien zurück. Zurück nach Kundus und Bamiyan. Kundus, für das einst die Deutschen Verantwortung übernahmen und in dem sich jetzt wieder die Taleban breiter machen. Die Provinz Bamiyan ist bekannt durch die riesigen, um das Jahr 510 entstandenen größten stehenden Buddha-Statuen der Welt, die die Taliban 2001 innerhalb von vier Tagen sprengten.

Vor kurzem erhielt die Familie Scharifi den „gelben Brief“- ihr Asylantrag wurde abgelehnt und sie mussten mit ihren 4 Kindern bis zum 28.12.2016 Deutschland verlassen. Die Familie wusste nicht, was sie tun sollte, die Kinder hatten Angst. Gegen diese Abschiebung regte sich Widerstand. Ehrenamtliche von Brück hilft engagierten sich, Mitglieder der TSG Brück boten ihre Unterstützung an und Politiker schalteten sich ein. Richard Göbel von „Brück hilft“ sprang mal wieder kurzfristig mit seinem „Chauffeurdienst“ ein und begleitete die Familie zur Migrationsberatung der Diakonie nach Potsdam. Dort erhielten sie eine rechtliche Erstberatung und die Kontaktdaten zu einem Anwalt, denn gegen die Ablehnung des Asylantrages bleibt nur ein Rechtsmittel- die Klage; fristgemäß versteht sich. Diese ist mittlerweile auf dem Weg, die Familie hat erstmal Zeit gewonnen und ein wenig Hoffnung geschöpft.

Heute saßen die beiden Familien mit Politikern von drei Parteien und von drei politischen Ebenen sowie ein wenig Presse, einem Vertreter des Kreises und einer Vertreterin des Trägervereins AAfV vor Ort im Übergangswohnheim in Linthe beisammen. Für die GRÜNEN war sogar die brandenburgische Landesvorsitzende, Petra Budke, gekommen. Für die SPD war die stellvertretende Vorsitzende der Kreistagsfraktion da, Melanie Balzer aus Linthe. Für die LINKE der Fraktionsvorsitzende in Borkwalde, Dr. sc. Lothar Schröter. Die Politiker hatten ganz weihnachtlich etwas mitgebracht, Obst und Nüsse, Kleinigkeit für die Kleinen sowie 200 Euro für die Arbeit von “Brück hilft”. Das Geld ist eine ganz private Spende der GRÜNEN-Vorsitzenden, deren Kinder dafür Weihnachten zurückstecken.

Vor allem aber waren die Politikerinnen gekommen, um sich Probleme anzuhören. Und Probleme gab es reichlich. So stellt die Migrationsberatung der Diakonie, die neben der afghanischen Familie schon vielen Flüchtlingen geholfen hat, zum Jahresende ihren Dienst ein, da die Verträge mit dem Landkreis auslaufen. „Voraussichtlich ab April” könnte es wieder eine neue Lösung geben. Erst im April. Voraussichtlich. Das bedeutet eine Lücke von mindestens einem viertel Jahr. Dabei gibt es jede Woche ganz ähnliche Probleme. Kathrin Piske von Brück hilft macht zurecht auf die vielen nicht so auffälligen Betroffenen aufmerksam, “die nicht gerade ein süßes Baby haben”. Sie verweist auf die, die es nicht schaffen, eine Welle der Aufmerksamkeit auszulösen.

Ein anderes Problem ist die totale Zersplitterung der Zuständigkeiten und Hilfsangebote. Wer darf in welchen Sprachunterricht? Wer darf und kann worüber beraten? Wer übersetzt behördliche Dokumente? Schon den deutschen Helfern fällt es schwer, in dem Bürokratiedschungel durchzusehen. Wie sollen Ausländer mit keinen oder begrenzten Sprachkenntnissen sowie ohne Erfahrungen mit unserer Kultur da klar kommen?

Zur Sprache kamen die hohen Kosten für die Unterkünfte. Wer Arbeit bekommen hat, muss sein Zimmer selbst tragen. Selbstverständlich. Aber 360 Euro warm pro Bewohner, auch wenn sie sich ein Zimmer mit 12 m² teilen, auch wenn sie zu Fünft in einem der Metallhäuser wohnen? Trotzdem ist das seitens des Kreises erst einmal ein gutes Angebot. Denn eigentlich müssten die Bewohner ausziehen. Nur wohin, wenn es keinen Wohnraum gibt. Die Alternative wäre Obdachlosigkeit in unseren Kommunen.

Es bleibt noch viel zu tun, für die Politiker aller Parteien auf allen Ebenen. Noch ist die Integration lange nicht gelungen.

 

Hits: 194